ES GEHT DARUM, EIN KULTUR-CREDO ZU KREIEREN

 

Die Bündner Regierung erarbeitet ab dem 2. Februar zusammen mit Kulturschaffenden ein Konzept für die Förderung der Kultur. In der sechsköpfigen Projektgruppe sitzt auch der Schauspieler Nikolaus Schmid.

 

Diese Woche hat die Bündner Regierung das Erziehungs-, Kultur- und Umwelt- schutzdepartement damit beauftragt, ein Kulturförderungskonzepts für den Kanton zu erarbeiten. Dies geschieht im Zuge des neuen Kulturförderungsgesetzes. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt der Schauspieler Nikolaus Schmid, der den Verein Kulturkanton Graubünden präsidiert. Der Verein ist ein Zusammenschluss von Kulturverbänden, Kulturinstitutionen, Kulturschaffenden und Kulturinteressierten verschiedener Sparten. Gemeinsam will man sich für eine Stärkung der Bündner Kultur einsetzen.

Als Vertreter des Vereins Kulturkanton Graubünden ist Schmid Teil der Projektgruppe, die das Kulturförderungskonzept erarbeiten soll. Die erste Sitzung  findet am 2. Februar statt. Ihre Resultate wird die Gruppe gegen Ende des Jahres 2019 präsentieren. Im Interview erklärt Schmid unter anderem, welche Punkte für ihn unbedingt in ein solches Konzept gehören.

 

Herr Schmid, die Frage, ob Graubünden ein Kulturförderungs­konzept braucht oder nicht, spaltet nicht nur die Politiker, sondern auch die Kulturschaffenden. Dies zeigte sich im vergangenen Jahr bei der Debatte um das neue Kultur­förderungsgesetz. Welche Haltung nehmen Sie ein?

 

Nikolaus Schmid: Nun, die Erstellung des Konzepts ist beschlossene Sache, und somit geht es jetzt um die Umsetzung. Ich hatte immer die Meinung, dass es auf jeden Fall ein Kulturförderungskonzept braucht. Dies ist etwas Zeitgemässes. Wenn man ein moderner Kanton sein will, dann ist es wichtig, so etwas zu haben. Gerade in Graubünden, wo immer wieder betont wird, wie kompliziert es ist mit den vielen Sprachen und Tälern, ist es umso wichtiger, sich Gedanken zu machen, welches Konzept man haben will. Ich freue mich darüber, den Kulturkanton in der Projektgruppe vertreten zu dürfen.

 

Woher rühren bei einigen Kultur­schaffenden die Vorbehalte gegen­ über einem Kulturförderungs­ konzept?

 

Ich weiss es nicht, kann mir aber vorstellen, dass einige Angst haben, nicht zu denen zu gehören, die gefördert werden oder Geld erhalten. Es wird natürlich so sein, dass mit einem Konzept zwei, drei Sachen unter den Tisch fallen, die man bis jetzt gefördert hat. Im Moment haben wir in Graubünden eine sehr breite Förderung, ein sogenanntes Giesskannenprinzip: Viele einzelne Töpfchen, die wenig Wasser bekommen. Das hat Vor- und Nachteile. Es besteht aber auch tatsächlich die Möglichkeit, dass man zum Schluss kommt, dass das bisherige Vorgehen das beste ist. Das kann man jetzt noch nicht genau sagen. Aber ein Konzept muss jetzt auf jeden Fall erarbeitet werden.

 

Zur Erarbeitung des Konzepts wurden eine Projektgruppe und eine Begleitgruppe gegründet. Sie sitzen als Präsident des Vereins Kulturkanton Graubünden in der Projektgruppe. Welche Aufgaben haben diesen beiden Gruppen?

 

Die Projektgruppe setzt sich neben mir zusammen aus Regierungsrat Martin Jäger, Barbara Gabrielli, der Leiterin des Amts für Kultur, Gianna Olinda Cadonau und Christian Albrecht aus der Kulturkommission, einer externen Beraterin und Andreas Leisinger vom Dachverband Museen Graubünden.

Diese Projektgruppe koordiniert die Arbeit am Konzept. Die Begleitgruppe dagegen ist viel grösser und besteht aus Vertretern von Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden. Viele, die eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton haben, werden zu Workshops eingeladen. So soll ein Dialog zwischen diesen beiden Gruppen aufgebaut werden.

 

Welches sind die wichtigsten Punkte, die Ihr Verein im Kultur­förderungskonzept verankern möchte?

 

Wir sind dabei, dies gemeinsam zu eruieren und festzulegen, sodass wir die Interessen möglichst vieler Kulturschaffender gut vertreten können. Ich persönlich fände es super, wenn man keine Angst vor grossen Ideen hätte, wenn man sich trauen würde, eine mutige Vision zu entwickeln. Es handelt sich ja um ein Konzept, es sagt noch nicht genau, wer wie viel Geld erhalten wird. Unsere Aufgabe wird sein, eine Stossrichtung zu finden. Es geht darum, ein Kultur-Credo zu kreieren.

 

Wenn Sie von einem Credo sprechen, dann müsste man aber über die vier Jahre hinausdenken, für die ein Konzept eigentlich formuliert wird.

 

Ich freue mich, dass überhaupt etwas ins Rollen gekommen ist und dass etwas umgesetzt wird. Ich  finde, wir sollten das positiv sehen. Immerhin wird jetzt ein Konzept erarbeitet und im Vier-Jahres- Rhythmus neu erarbeitet. Im Hinterkopf soll natürlich über die vier Jahre hinaus gedacht werden. Ich bin zuversichtlich, dass dies auch von allen Beteiligten so gemacht wird.

 

Der Verein Kulturkanton Grau­bünden vertritt eine Vielzahl von Kulturschaffenden. Wie kann man sich nun intern auf eine Haltung festlegen?

 

Wir haben eigens dafür eine Arbeitsgruppe gebildet, in welcher Kulturschaffende aus verschiedenen Sparten vertreten sind. Diese Gruppe wird sich dieser Aufgabe widmen, damit ich in der Projektgruppe gut abgestützt die Kulturschaffenden vertreten kann.

 

Wie gross, schätzen Sie, wird der Einfluss der Kulturschaffenden bei der Ausformulierung des Konzepts sein?

 

Das kann ich noch nicht abschätzen. Wenn wir gute Vorarbeit leisten und gute und handfeste Vorschläge und Inputs bringen, sind wir glaubwürdig und unsere Ideen finden Akzeptanz. Dies wiederum erhöht die Chancen, dass wir einen Einfluss auf die Ausformulierung des Konzepts haben. Ich bin zuversichtlich.

 

Sucht der Verein den Schulter­schluss mit anderen Vertretern von Kulturorganisationen, um seine Forderungen durchzusetzen?

 

Der Kulturkanton Graubünden hat ja zum Ziel, alle Kulturschaffenden des Kantons, die Mitglied sind, zu vertreten – ihnen eine Stimme zu geben. So hoffen wir, dass sich uns alle anschliessen, damit wir dieses auch so erreichen.

 

Für die Erarbeitung des Konzepts werden zwei Jahre veranschlagt. Weshalb dauert das so lange?

 

Auf den ersten Blick scheinen zwei Jahre eine lange Zeit. Bedenkt man, dass zuerst eine Bestandsaufnahme gemacht werden muss und erst danach Stossrichtungen für ein mögliches Konzept erarbeitet werden können, sind zwei Jahre wiederum nicht so lange.

 

Eine riesige Arbeit, von der Sie nicht wissen, ob sie honoriert werden wird. Das Konzept muss ja am Schluss vom Grossen Rat abgesegnet werden.

 

Das könnte eine Hürde sein, denn natürlich weiss man nicht, ob am Schluss der Grosse Rat das Konzept für gut befindet oder nicht. An der letzten Budgetdebatte  fiel mir auf, wie schnell es emotional wird, wenn es um die Kultur und deren Förderung geht. Somit: Wenn es ein gutes, stringentes Konzept wird, sind die Chancen grösser, dass man sich bei der Behandlung im Grossen Rat nicht in Details verzettelt.

 

Bis Ende dieses Jahres hat Regie­rungsrat Martin Jäger die Projektleitung inne. Danach übernimmt sein Nachfolger. Ein Problem oder eine Chance?

 

Es kommt darauf an, wer sein Nachfolger sein wird. (lacht) Ich würde sagen, dass es auf jeden Fall auch eine Chance ist. Durch den Wechsel wird nochmals ein anderer Wind wehen – in welche Richtung, können wir allerdings noch nicht abschätzen. Ich bin auch da zuversichtlich.

 

Vor einem Jahr organisierte der Verein Kulturkanton Graubünden ein Fest der Kultur, um den Grossen Rat auf seine Anliegen aufmerksam zu machen. Ist etwas Derartiges erneut geplant?

 

Der Verein der rätoromanischen Filmschaffenden ist mit der Absicht auf uns zugekommen, gemeinsam mit Grossrat Andy Kollegger eine Manifestation gegen die No-Billag-Initiative zu organisieren. Diese  findet am 3. Februar in Chur statt. Wir verzichten deshalb in diesem Jahr auf ein Fest der Kultur. Aber ich kann bereits verraten, dass am 19. Januar 2019 das nächste Fest der Kultur in Graubünden stattfinden wird. Es wäre die Idee, dass wir danach jedes Jahr oder jedes zweite Jahr ein solches Fest veranstalten.

 

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